Yoga … mehr als Asanas

Juni 2020 | Artikel, Juni/Juli 2020 |

Yoga … mehr als Asanas

Häufig wird in unserer westlichen Kultur Yoga auf die Körperpraxis reduziert. Reden wir von Yoga, sehen wir vor unserem inneren Auge zumeist eine menschliche Erscheinung akrobatisch auf der Matte einzelne Körperhaltungen praktizieren.

Yoga darauf zu reduzieren, ist sanft ausgedrückt: „schade“.

Der indische Gelehrte Patanjali zeigt uns mit seinem Sutra (übersetzt „Faden“) den philosophischen Aspekt auf. So wird schnell klar, dass Yoga mehr ist als die reine Körperpraxis.

Das Sanskritwort Yoga mit der Bedeutung „Verbindung“/ „Integration“ verweist auf einen Prozess, ein Gewebe. Ein Gewebe, welches verschiedene Elemente und Zustände zusammenführen und eine Einheit bilden möchte.

Der Mensch besteht aus einem Körper, der Psyche und der Vitalkraft, auch Prana genannt. Unsere Psyche besteht aus dem Denken und Fühlen, wird als die Summe unserer geistigen Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale verstanden.

Denken und Fühlen stehen in enger Wechselwirkung und geschehen so schnell, dass wir dies oftmals nicht bewusst in den Momenten, da diese Prozesse laufen, wahrnehmen. Um hier unser Bewusstsein zu schulen, lehrt uns der Yogaweg verschiedene Werkzeuge. Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Yoga ist ein Weg der Selbsterkenntnis!

„Yama“ ist die erste Stufe jenes Weges und umfasst fünf Regeln zur Selbstdisziplin. Diese laden uns ein, unsere persönlichen Werte in puncto Selbstfürsorge zu beleuchten.
Darauf folgt „Niyama“, Werte im Umgang mit anderen oder auch ganz allgemein mit dem Leben. Ahimsa z.B. beschreibt die Gewaltlosigkeit, welche wir nur umsetzen lernen können, wenn wir uns üben, achtsam und liebevoll mit uns selbst zu sein. Der Alltag bietet uns diesbezüglich mannigfaltig Gelegenheiten.
Natürlich auch die Praxis der Asanas, welche die dritte Stufe darstellen, auf der Matte. Diese Praxis gewinnt an Qualität, wenn wir mehr und mehr Abstand nehmen, dass eine Haltung einer Vorstellung entsprechen muss. Das Geschenk der Asanas ist nach meinem Verständnis, ein gutes Körpergefühl zu entwickeln, folglich meiner Physiognomie entsprechend zu praktizieren und mich in der einzelnen Position zu erfahren, vielleicht sogar zu versenken. Auf diese Weise wird die Körperpraxis zur Meditation, die Verbindung von außen und innen entsteht.

So erklimmen wir Stufe um Stufe auf unserem Weg des Yoga, Erfahren und Erkennen uns Schicht um Schicht.

Ein weiteres wundervolles Werkzeug des Yoga ist der Atem, welcher mittels Techniken in seiner Qualität zum einen intensiv erfahrbar und auch kontrolliert gelenkt wird. Der Atem ist ein Aspekt unserer Vitalkraft und bildet stets eine wertvolle Brücke zwischen der äußeren und inneren Welt eines jeden Menschen. Diese Brücke kann den Weg vom stark körperorientierten Yoga zu den feineren Ebenen lenken. Von der Welt der Sinne zum Rückzug nach innen, „Pratyahara“. So webt sich der Faden immer weiter in die Tiefe, zentriert sich und führt uns vielleicht sogar von „Dharana“ (Konzentration) zu „Dhyana“, dem inneren Raum der reinen Stille.

Für mich ist Yoga eine Lebensphilosophie, welche mein Leben durchwebt. So verstehe ich Leben selbst als den Weg des Yoga und differenziere nicht mehr.

Alan Watts hat es nach meinem Verständnis sehr konzentriert formuliert, „Die einzige Regel heißt: Nimm wahr!“

Letztendlich darf so jeder selbst für sich herausfinden, was für ihn Yoga ist und dieses wunderbare Geschenk in Empfang nehmen.

Namaste!

 

Alexandra Gärtner
Yoga, Kinesiologie, Seminare, Massagen
Dresden
www.bewegungsraum-beyourself.de

Zitat

"Wenn wir die Natur auf das reduzieren, was wir verstanden haben, sind wir nicht überlebensfähig."

Hans-Peter Dürr

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