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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   April/Mai 2019  
   

Achtsamkeit im Alltag? Aber ja!
 
von Elke Jungs

Meditieren beim Abwaschen? Das geht und das tut gut!
Ungefähr so: Au, das Wasser ist zu heiß ... Wasserhahn auf ... Besser ... Muss Spülmittel kaufen ... Hm, die Hände sind rot ... Das klebt hier aber fest an dem Messer ... Mist, wieder auf den Fußboden getropft beim Abtrocknen ... Fertig ... Schööööön! Grins! Pirouette!
Die ganze Zeit beobachte ich all meinen Gedanken und Handlungen während des Abwaschs, bin bewusst dabei und ich bin dabei allein und auch das Radio schweigt. Es ist still! Naja, bis auf die Geräusche, die das Abwaschen mit sich bringt. Solch ein bewusstes Abwaschen ohne Gedanken an etwas ganz anderes ist wohltuend, lässt Freude sich in mir ausbreiten.

Die Empfindung von Freude im Alltag, und sei es nur für kurze Momente, ist wichtig für unser Wohlbefinden und damit für unsere Lebensqualität.
Es gibt täglich viele solcher kleinen Momente. Was sind das für Momente? Ah, ein Lieblingstitel im Radio. - Die Sonne scheint gerade herrlich in mein Zimmer. Ganz warm! - Oh, die Frühlingsblüten sind ja gaaanz weit geöffnet. - Hm, es riecht lecker nach frischem Kuchen im Haus. - Ach, endlich die Post, auf die ich gewartet habe. Und so weiter und so weiter ... Wenn es mir gelingt, diese Momente zu beachten, kommt jedes Mal mindestens ein kleines Lächeln aus meinen Tiefen. In der Regel zusammen mit einem sehr  befriedenden, tiefen Atemzug. Innen und Außen sind dann eins. Das sind heile Augenblicke!
Für mich sind auch die Erinnerungen daran und die Gewissheit auf neue solcher Momente ganz wichtig, da ich immer noch leicht und schnell in depressive Verstimmungen gerate. Da kann dann schon mal ein Gedanke angeschwommen kommen, mit dessen Hilfe ich mich endlich aus dem Bett oder dem Sessel hieve, mich endlich anziehe, koche, eine Bewerbung schreibe, ...

Und ja, ich musste diese "Mini-Meditationen" lernen und üben. Wie das geht? In der Stille! In Achtsamkeit für mich selbst. Fragt euch: Geht es mir gerade gut? Wie fühle ich mich? Was brauche ich jetzt? Seid einen Moment ganz bei euch. Meist geschieht dann etwas Unerwartetes, was ihr sonst nicht wahrgenommen hättet. Irgendetwas, worüber ihr lächeln oder euch freuen könnt. Eine Kleinigkeit. Eine kleine "Schönheit" im vielleicht tristen Alltag. Ich denke, viele "einfach JA-Leser" kennen das oder Ähnliches.

Doch habe ich kürzlich während einer Reha erlebt, wie vielen Menschen das noch schwer fällt. Es gab da Therapiestunden, die nannten sich "Genusstraining". Etliche Mitpatienten fanden das sinnlos und blöd. Sie hatten auch keine Antworten auf Fragen wie "Was ist Genuss?", "Warum ist Genuss wichtig für uns?" Sie fragten stattdessen: "Was soll das, je eine Stunde lang über riechen, schmecken, hören, sehen und tasten (fühlen) zu sprechen?"
Es war Achtsamkeitstraining! Und es gab immer auch einen netten praktischen Teil in diesen Stunden. Klar, dass das schwer fällt, wenn ich eher "Ablenkung" von mir und meinen Problemen suche, der Weg "nach innen" (noch) verschlossen ist. Für mich war alles dort Gesagte schon bekannt und trotzdem tat es gut, mich darauf einzulassen und mich wieder zu erinnern. Auch wieder aufmerksamer zu werden, wie unterschiedlich jeder Mensch "tickt". Was für mich im Moment wundervoll ist, kann für meinen Nachbarn die Hölle sein. Mich hat es gefreut, dass "Achtsamkeit" in der medizinischen Psychosomatik angekommen ist.

Wenn ich davon ausgehe, dass Achtsamkeit ein Innehalten ist, und Innehalten eine Voraussetzung für Meditation, dann sind wir doch mit Achtsamkeit schon auf einem guten Weg. Oder ist Innehalten vielleicht schon Meditation? Ist es Meditation, wenn ich mich in Musik "verliere" oder im Tanz? In einer warmen Umarmung oder einem gemeinsamen herzlichen Lachen? Nichts als Musik, Tanz, Umarmung, Lachen! Meditation ist ein so "großes Wort". Ich bin überzeugt, es muss nicht jeder andere Dimensionen erreichen, es muss nicht unbedingt Vipassana sein oder Trance-Tanz oder was es sonst noch für öffnende Möglichkeiten gibt. Es wäre doch schon schön, wenn wir durch Achtsamkeit und kleinste "Mini-Alltags-Meditationen", allen Misslichkeiten zum Trotz, mehr Freude und Liebe in unser Erdendasein bringen könnten.
Ich arbeite dran! Mal gelingt es gut, mal weniger. Ich arbeite dran – immer und immer wieder! Um des Friedens willen! Meines Friedens und damit dem des Universums.

Und bei all meinen Gedanken zum Thema habe ich noch nicht mal über die Achtsamkeit gegenüber unseren Mitmenschen, den Tieren und Pflanzen und Bäumen, Bergen, Flüssen, Meeren, ... gesprochen. Sie alle können uns auch Unterstützung auf dem Weg in tiefere Meditationen sein. Ich durfte es schon erleben.

Eine liebevolle und achtsame Zeit euch allen! Im Geben und im Nehmen!
Alles Liebe

Elke
elke.jungs@t-online.de