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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Feb/März 2019  

  
  
Heilung für das Innere Kind
 
von Petra Schachtschneider
  

Immer wieder können wir über die enorm heilende Kraft staunen, die von der Arbeit mit dem inneren Kind ausgeht. Und ich danke dafür, dass mir der Einblick in eine der intimsten Sphären der Seele gewährt wird. Ebenso dankbar bin ich dem Göttlichen für die sanfte Führung durch diese sensiblen Bereiche. 

Jeder Mensch erlebt mindestens einmal in seinem Leben einen Moment, in dem er sich verletzt, ausgeliefert, allein gelassen, ungerecht behandelt, ungeliebt usw. fühlt. Die meisten dieser Situationen stammen aus der Kindheit. Das Kind ist verletzlich und sensibel und kann  zum Verständnis des Erlebten im Unterschied zu einem gesunden Erwachsenen nicht aus seinen Erfahrungen schöpfen. Die meisten dieser prägenden Situationen stammen aus der Beziehung zu unseren Eltern. Denn das sind unsere engsten Bezugspersonen und wir sind als Kinder von ihnen vor allem emotional völlig abhängig. Alle diese Erlebnisse werden in die noch unbefangene reine Kinderseele regelrecht eingebrannt. Es entsteht ein Trauma, das zukünftig unsere Gefühle, unser Denken und das Verhalten in ähnlichen Situationen unbewusst steuert. Wir beobachten dann im erwachsenen Alter, dass wir uns z.B. in bestimmten Augenblicken hilflos wie ein kleines Kind fühlen, dass wir erstarren und nicht angemessen Grenzen setzen können, dass wir Herzklopfen bekommen, wenn eine Autorität uns anschaut, dass wir nah am Wasser bebaut sind, dass wir uns schnell schlechtes Gewissen oder Schuldgefühle einreden lassen und dadurch manipulierbar sind usw. 

Die Heilung
In der therapeutischen Arbeit mit dem inneren Kind geht es darum, solche einmaligen oder sich wiederholenden Situationen aus der Vergangenheit aufzuspüren und der Seele zu helfen, sie ins Heilen zu bringen. Wobei es genügt, stellvertretend für ein Thema nur eine Situation zu finden und es muss auch nicht die alle erste sein. Es geht in dem heilenden Prozess auf keinen Fall darum, jemandem die „Schuld“ zuzuweisen, sondern dem Kind (bzw. dem jüngeren Ich) den Beistand, Trost, Zuneigung und Liebe zu schenken, welche es in dem damaligen Moment gewünscht und benötigt hatte. Die Heilung findet immer im Inneren statt.
  

 

Petra Schachtschneider, Heilpraktikerin für Psychotherapie - Arbeit mit dem Inneren Kind

  
Petra Schachtschneider
ist Heilpraktikerin für Psychotherapie.
In ihrer Praxis in 01998 Klettwitz
bietet sie Einzelsitzungen und Paartherapie an. Außerdem gibt sie Meditationen und
leitet Workshops und Seminare.

www.petras-psychotherapie.de
Tel.: 035754 / 64518 oder 0175 7919183
info@petras-psychotherapie.de

Tages-Workshop „Das Leben liebt dich“ 23.02.2019 in Lauchhammer

Seminare
„Heilsames Wochenende für die Seele“

29. -31.03.2019
und 11.-13.10.2019
in Schmiedeberg / Erzgebirge bei Dresden   

  

Das großartige Mittel bei dem Aufspüren ist unser eigener Körper! Denn jedes unserer Gefühle macht sich als eine Körperempfindung bemerkbar, z.B. Klos im Hals, Druck auf der Brust, Grummeln im Bauch, schweißnasse Hände; es wird auf lebenslang gespeichert und lässt sich in einer vertrauensvollen und wertschätzenden Atmosphäre abrufen.

Ein Fallbeispiel
Eine junge Frau berichtet, dass sie oft verbal angegriffen wird und ihr Körper in diesen Momenten wie gelähmt ist. Sie reagiert mit einem gespielten Lächeln, tut so, als wenn es ihr nichts ausmacht, ist nicht in der Lage, weg zu gehen, geschweige denn sich zu währen. Auf die Frage hin, wie alt sie sich dabei  fühlt, kommt die Antwort: „Wie ein kleines Kind“.

Es stellt sich heraus, dass das Kind 8 Jahre alt ist. Die Frau schildert einen Vorfall aus der Schule. Die Kinder verbringen die Hofpause auf dem Schulhof. Sie klettert mit anderen Mitschülerinnen auf einem Klettergerüst. Gerade eben wollte sie als Erste die letzte Stufe und damit die höchste Stelle erreichen. Das Sieger-Gefühl spürt sie schon wärmend in der Brust. Im selben Moment schlägt ihr eins der Mädchen, ihre Freundin sogar, hinterhältig mit der Faust in den Rücken. Völlig entsetzt über das fiese Verhalten dreht sie sich um und schreit das Mädchen an. Ihre Wut ist berechtigt und sie währt sich, um sich zu schützen. Die Mutter von unserem Mädchen arbeitet als Lehrerin an dieser Schule. Heute hat sie die Aufsicht in der Hofpause und sie verfolgt vom Weiten das Geschehen. Als ihre Tochter das andere Mädchen, welches auf sie einschlug wütend anschreit, kommt die Mutter dazu. Es passiert etwas Unfassbares! Anstatt ihre Tochter in Schutz zu nehmen, tadelt die Mutter sie laut für ihr angeblich unpassendes Verhalten. „Man schreit nicht so laut und es gehört sich für ein Mädchen nicht, wütend zu sein. Für die Tochter einer Lehrerin schon gar nicht!“  Die Katastrophe ist vollkommen! Die 8-jährige sitzt da, wie mit kaltem Wasser begossen. Vor der ganzen Clique wurde sie bloßgestellt, alle starren sie an, das Gesicht der ehemaligen Freundin verzieht sich in eine schadenfrohe Grimasse… 

Wut ist ein elementares menschliches Gefühl, eine Reaktion des Systems, wenn seine Grenzen verletzt werden. Es ist eine Energie, die nach Außen gebracht werden will. Erlauben wir uns nicht, sie gesund zu kanalisieren, frieren wir diese Energie ein. Dadurch verlieren wir an Spontaneität und nicht selten richten wir sie dann gegen uns selbst oder überreagieren wir an völlig anderen Stellen. Der Schock von damals blockierte bis zum heutigen Tag den gesunden Umgang der jungen Frau mit ihrer Wut.

In der Therapiesitzung verläuft die Situation anders, wir verändern sie nachhaltig! Wir schicken anstatt der Mutter die Oma des Mädchens in das Geschehen. Die alte Dame ist mutig und gerecht, niemals würde sie ihre Enkelin im Stich lassen. Die Oma bestätigt überzeugend ihrer Enkeltochter die Richtigkeit ihrer Reaktion, sie bestärkt sie darin, dass es vollkommen in Ordnung ist, sich bei einem Angriff angemessen zu währen. In dieser Sitzung löst sich die jahrelange Blockade.  

In einer der kommenden Sitzungen berichtet die junge Frau mit einem Lächeln, dass es ihr eindeutig leichter fällt, ihrem Gegenüber zu kontern; bzw., die verbalen Angriffe ihr gegenüber haben deutlich nachgelassen, weil sie jetzt etwas Anderes ausstrahlt.

Die wertvollen Körperempfindungen 
Nicht immer gelingt der Kontakt zu dem inneren Kind. In dem Falle bietet sich die Arbeit mit den Körperempfindungen an. Nach einer Einleitung kann man fragen, was genau und wo im Körper zu spüren ist. Dieses Empfinden wird nicht verdrängt, sondern achtsam registriert und verwandelt. An sich benötigen wir oft dazu nur die Wahrnehmung des Atems und die nötige Geduld. Oft können auch die Bilder der Sprache hilfreich sein. Beispielsweise bei der Aussage: „ein Klos im Hals“ kann man erfragen, wie groß der Klos ist, welche Farbe und Konsistenz er hat, wie er hingekommen ist usw., und wie die Klientin mit ihm umgehen möchte.

Alles geschieht „nur“ mental in der Fantasie, es hat jedoch eine wundersam heilende Wirkung. Es lohnt sich immer, mutig zu sein. Denn die angestaute Energie, mit welcher das traumatische Erlebnis in der Verdrängung gehalten wird, ist enorm. Sie wird in dem Moment freigegeben und wird von den Betroffenen oft wie ein Licht empfunden, welches mit wärmenden erhellenden Strahlen die Dunkelheit endlich vertreibt. Als eindeutiges Zeichen der Heilung stellt sich einige Zeit später emotionale Reife und Stabilität ein. 

Es ist wichtig, dass der Therapeut sich selbst zurück nimmt, denn die Heilung bewirkt letztendlich nicht er. Er lässt seine Vorstellungen und Erwartungen los, öffnet sich und lässt die universelle Liebe durch sich fließen. Seine Aufgabe ist, den Rahmen für eine Heilung sorgfältig vorzubereiten und für eine vertrauensvolle wärmende Atmosphäre zu sorgen. Dem verletzten inneren Anteil zu vermitteln, dass er fürsorglich und verständnisvoll behandelt wird, dass er sich also zeigen darf. Der Therapeut handelt intuitiv, er macht ein paar einfühlsame Vorschläge für den Umgang mit dem verletzten Anteil und begleitet schützend den Prozess. Nur das Göttliche kann wirklich heilen, der Mensch lässt es dankbar geschehen.