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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Feb/März 2019  

  
  
AnuKan-Massage als integrale Massage – im gelben MEM der "Spiral Dynamics"
 
von Kati Laux

  
   
Was ist eine AnuKan-Massage?
Die AnuKan-Massage bezeichnen wir als „Sinnliche Heilmassage“, die eher auf Prinzipien aufbaut als auf einem vorgeschriebenen Ablauf. Um eine praktische Vorstellung davon zu bekommen, nennen wir gern ihre beiden Quellen; die Ganzheitliche Massage (oder Touch Life Massage) und die tantrische Massage. Die Ganzheitliche Massage wird erweitert um sinnliche Elemente, im Bedarfsfall um die Genitale Heilmassage nach Kramer/Sprikle. Die Tantramassage wiederum wird erweitert um fundierte Massagetechniken und bezieht sexualtherapeutisches Wissen ein. Die AnuKan-Massage entstand aus langjähriger Praxis mit verschiedenen Formen Sinnlicher Massagen und aus der Beobachtung heilender Wirkungen dieser Massagen. Sieben Elemente beeinflussen diese Wirkung, wobei der liebevollen Akzeptanz des Klienten meiner Ansicht nach die größte Bedeutung zukommt.

Warum überhaupt Sinnlichkeit – genügt nicht eine herkömmliche Massage?
Jede menschliche Erfahrung ist unweigerlich mit unserem Körper verbunden, hier können wir Altes effektiv auflösen und Neues bewusst verankern. Wirklich ganzheitlich ist dieser Weg, wenn wir um die Urkräfte von Sinnlichkeit und Sexualität keinen Bogen machen, sondern sie als Katalysatoren und Schlüssel für ein entspanntes, sinnerfülltes Leben nutzen. Sexualität ist ein ziemlich unentdecktes Feld oder auch „vermintes Terrain“. In den letzten Jahrtausenden wurden wir Menschen mit sexuellem und spirituellem Hunger manipuliert. Unerfüllte oder in den Schatten gedrängte Bedürfnisse prägten die Kultur unzähliger Generationen. Diese Kultur kommt uns jetzt so „normal“ vor, dass sich wirklich die Frage stellt: Was ist natürlich? Und weiterführend: Was will ich wirklich als sexuelles Wesen? Wie will ich berührt werden, wie empfinden? Woher nehme ich den Mut und die Klarheit, zu äußern was ich mir wünsche? Hierbei kann eine Sinnliche Massage enorm hilfreich sein. Die Beziehung MasseurIn – KlientIn ist unverstrickt und neutral und von Akzeptanz geprägt, vorausgesetzt, die MasseurIn hat ihre eigenen Themen weitestgehend aufgearbeitet. Die Massage bietet die Gelegenheit, sich Zeit zum Spüren zu nehmen, sich tief mit dem inneren Wissen zu verbinden und von dort aus eine neue sexuelle Identität zu erschaffen.

 

  
Katrin Laux - AnuKan-Massagen
   
Katrin Laux
Gründerin und Leiterin von Sinnesart
und von
AnuKan - Zentrum für Berührungskunst
in Dresden

   
  
    
AnuKan-Massage
   
allgemeine Informationen
zur Anukan-Massage:   
www.anukan.de

  
Informationen zur   
AnuKan-Massage-Jahresausbildung

vom 12. Juli 2019 bis 24. Mai 2020

   
Der größere Zusammenhang
Während meiner Ausbildung bei Veit Lindau kam ich in Kontakt mit dem integralen System und den „Spiral Dynamics“. Wer den integralen Ansatz einmal kennengelernt hat, wird fasziniert sein von seinen Denk- und Anwendungsmöglickeiten. Sie zogen sich fortan durch mein Leben. So lag es nahe, dieses Wissen auch auf unser AnuKan-System anzuwenden. Ich kam zu dem Schluss, dass die AnuKan-Massage im gelben Mem verortet ist und möchte das hiermit begründen. Der Artikel ist für Menschen geschrieben, die bisher noch wenig mit „Spiral Dynamics“ zu tun hatten und erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit.

MEME und „Spiral dynamics“
Meme sind Zusammenballungen von ähnlich gelagerten Wertvorstellungen und Denkmustern. Jede Entwicklungs- und Bewusstseinsstufe der Menschheit ist durch Meme gekennzeichnet. Die Stufen folgen aufeinander – ähnlich wie beim Menschen eine Entwicklungsstufe auf die andere folgt. Das Lösen von Problemen einer Stufe führt zum Aneignen neuer Fähigkeiten und Erkenntnisse, und damit zur nächsten Ebene.
Verschiedene Philosophen haben daraus das Modell der „Spiral Dynamics“ entwickelt, das nicht nur die gesamte Menschheitsgeschichte abbildet, sondern auch Phänomene zwischenmenschlicher Beziehungen verstehbar macht. Dieser „integrale Ansatz“ birgt eine Ethik menschlichen Handelns, der sich auch unsere AnuKan-Familie zugehörig fühlt: Die „erste integrale Anweisung“ besagt, dass alles Denken und Verhalten entweder der Entwicklung des Einzelnen und der Gesellschaft dient oder nicht; dem „Guten, Wahren, Schönen“. Meine schamanische Lehrerin Loon hatte eine ähnliche Philosophie und brachte es so auf den Punkt: „Ist etwas für oder gegen das Leben?“
Im Modell der „Spiral Dynamics“ ist jeder Bewusstseinsstufe eine bestimmte Farbe zugeordnet:

  1. BEIGE, Überlebenswille und Instinkt: Es geht ums nackte Überleben, das Leben beschränkt sich auf einfache Instinkte und natürliche Reflexe.
  2. VIOLETT, Ahnengeister und Magie: Die Welt wird als bedrohlich und magisch empfunden. Zusammenhalt und Beschwörung der Geister und Ahnen besänftigen die Welt, eine starke Verbindung untereinander stärkt.
  3. ROT, Macht und Wille: In unsicheren Zeiten braucht es starke Führer. Wer nicht für uns ist, ist unser Feind. Individualität, Egozentrik und Freiheitsdrang, Impulsivität, zornige Götter
  4. BLAU, Wahrheit und Unterordnung: Der Zweck heiligt die Mittel, die Sehnsucht nach einem Sinn. Normen der Gemeinschaft werden nicht hinterfragt, denn sie schaffen Ordnung, Struktur und Sicherheit
  5. ORANGE, Effektivität und Individualismus: Streben nach Gewinn um jeden Preis, Analysieren und Planen, Einfluss und Kontrolle, Wachstum und Fülle
  6. GRÜN, menschliche Verbindung: Gemeinschaft ist die Lösung für die (abgelehnte) „kalte Welt“, alle sind gleich („wir sind gleicher“), Konsens, Wärme, Spiritualität
  7. GELB, Flexibilität und Fluss: individuelle Lösungen zum Wohle aller, systemische Betrachtungsweise

Weitere Stufen folgen, um die es hier nicht mehr gehen soll. Neugierige finden im Internet jede Menge Wissenswertes zum Thema.

  
Massagen und ihre Zuordnung zu einzelnen Stufen
Je nach Hauptthema der einzelnen Meme-Stufen lassen sich ihnen bestimmte Massagearten zuordnen. Die gewählten Beispiele sind willkürlich und basieren auf meiner individuellen Betrachtunsgweise.

  1. BEIGE: Wir haben uns verletzt, der Nacken schmerzt – wir legen die Hand auf, drücken oder reiben die Stelle, um den Schmerz zu lindern.
  2. VIOLETT: Die Massage enthält magische Elemente, das Einladen von Wesenheiten oder direkte Zwiesprache mit der Seele. Deutlicher Bezug zu anderen Welten. Suggestive Methoden wie Räucherungen, Einsatz von Heilkristallen o.ä. Beispiel: Lemuria Massage, Ägyptische Massage, Lomi Lomi Massage, Klangmassage
  3. ROT: Massagen, die mit Elementen von Dominanz und Hingabe spielen und Machtstrukturen erleben lassen, z.B. Fesselmassage (von Sinnesart entwickelt) oder Dominant-fesselnde Begegnung (Massagestudio Royal)
  4. BLAU: Massagen, in denen klar vorgegebene Abläufe dominieren und denen ein größeres System zugrunde liegt, an das man sich halten kann. Beispiel: Tao Massage, Tuina Massage, Ayurveda Massage
  5. ORANGE: Massagen, bei denen effektive Ergebnisse den Vorrang haben gegenüber einem Wohlfühlfaktor oder einem ganzheitlichen Ansatz, z.B. physiotherapeutische Massagen, Shiatsu Massage, Lymphdrainage, Manuelle Therapie, Honigmassage
  6. GRÜN: Die Massagen sind eingebettet in eine ganzheitliche Zeremonie, die die Verbundenheit mit dem „Großen Ganzen“ erleben lässt. Der Mensch wird als Einheit von Körper, Geist und Seele betrachtet, das Gespräch spielt eine größere Rolle. Beispiel: Tantramassage, Ganzheitliche Massage
  7. GELB: Alle Massagen, die um den Wert der anderen Angebote wissen. Die Behandlung ist abgestimmt auf den Empfangenden, der Massierende erkennt dessen Welt an und holt ihn dort ab. Ebenso verfügt er über ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten und ein offenes Herz. Beispiel: AnuKan-Massage

AnuKan-MasseurInnen sind "Spiraltänzer"
Wichtig hierfür sei noch zu erwähnen, dass ab der 7. Ebene unser Bewusstsein reif ist für einen „Quantensprung“, der Kluften überwindet und als „Denken zweiten Ranges“ bezeichnet wird.
Den ersten sechs Ebenen ist gemeinsam, dass sie ihre Lösungen für allein selig machend halten und Lösungen der anderen Stufen ablehnen, sowohl gesellschaftlich als auch individuell. Sie fühlen sich schnell bedroht. Wenn ich mir z.B. meine eigenen aggressiven Tendenzen noch nicht angeschaut habe und sie noch im Schatten schlummern, könnte ich Probleme mit kraftvollen, durchsetzungsfähigen Menschen aus dem roten Mem haben. Ich weiß dann nicht, wie ich sie gewinnen oder ihnen zumindest auf Augenhöhe begegnen kann, weil die Angst im Verborgenen schlummert und von dort unheilvoll wirkt.
Menschen auf der Ebene des gelben Mems haben die Schatten, aber auch die Möglichkeiten und Chancen der vorhergehenden Stufen weitestgehend integriert. Daher können sie im Bedarfsfall – je nachdem, was die Lebensumstände fordern – auf Lösungen aus verschiedenen Stufen zurückgreifen, weil sie um deren Wert wissen. Es kann notwendig sein, in Notfallsituationen rote Macht auszuüben. Wenn das Chaos überhand nimmt, braucht es klare blaue Ordnungen und Hierarchien, ebenso wie blitzschnelle Entscheidungen aus oranger Sicht, um z.B. finanziell zu überleben. In familiären und Liebesbeziehungen ist es angebracht, auf grüne Weise das Herz zu öffnen, sich nicht über den anderen zu stellen und zuhören zu können. Man darf diese Menschen getrost als „Spiraltänzer“ bezeichnen, angelehnt an den schamanischen Begriff des „Energietänzers“. Sie  tanzen die Spirale auf und ab. Ihr Verhalten erscheint zuweilen paradox.


Eine AnuKan-Massage darf paradox sein
Eine AnuKan-Massage darf ebenso sein. Wir begeben uns auf die Mem-Ebene unserer Massage-Empfänger mit all ihrer Wesensvielfalt, spüren ihre/seine Themen und können so wirkungsvoll handeln. Dies ist möglich, wenn zum einen mein Massageköfferchen gefüllt ist mit Mitteln und Methoden aller Meme des ersten Ranges. Unser AnuKan-System gibt hier einen guten und hinreichenden Überblick, was alles Einfluss auf eine Massage haben kann. Diese Elemente sollte ich im Blick haben und mich damit sicher fühlen.
Zum anderen bin ich hilfreich, wenn ich mich den Schatten der verschiedenen Bewusstseinsstufen selbst gestellt habe und reif genug bin, mich in diesen Räumen sicher zu bewegen. Deshalb beinhaltet die AnuKan-Massage-Jahresausbildung große Anteile an Selbsterfahrung. Was auch immer sich während der Begegnung bzw. der Massage zeigt an Emotionen – als SpiraltänzerIn bin ich in einem hohen Maße annehmend. Aus der Sicht des gelben Memes brauche ich nichts abzulehnen, zu befürchten oder zu verurteilen, weder bewusst noch unbewusst.

Kompetenz, eigene Erfahrungsbreite und Annahme des Augenblicks - statt "... so sollte es sein"
Weil eine AnuKan-Massage nicht in eines der bekannten Wertesysteme einzuordnen ist, ist sie nicht so leicht greifbar und erklärbar. Sie arbeitet mit Wissen und Kompetenz, anstelle von Dogmen oder dem Glauben, wie etwas sein sollte. Das lässt sich vielleicht am Beispiel der „tantrischen Ejakulationsvermeidung“ gut erklären. Diese Technik (am bekanntesten hierzulande als "Big Draw") kann man mit einiger Übung dazu nutzen, einen Ganzkörperorgasmus oder orgasmusähnliche Gefühle zu erleben, ohne (als Mann) zu ejakulieren. Damit kann das partnerschaftliche Liebesspiel intensiver und länger erlebt werden, der Energieverlust wird eingeschränkt. Das Beherrschen dieser Technik kann also durchaus Vorteile bringen. Ein medizinischer Sinn ist zwar nicht bewiesen, ebenso lässt sich die Frage stellen, aus welchem psycho-spirituellem Urgrund diese Praxis entstanden ist. Wenn nun ein Mann in einer Tantramassage angeregt wird, damit neue Erfahrungen zu machen – wunderbar! Er kann seiner Männlichkeit neue Facetten hinzufügen - vorausgesetzt, es ist sein Wunsch, diese Erfahrungen zu machen. Wenn Klient oder Klientin allerdings den Eindruck bekommen, dass sie als unreif oder „untantrisch“ angesehen werden, wenn sie der erotischen Ausdruckskraft freien Lauf und damit auch Körperflüssigkeiten fließen lassen, oder wenn sie den Eindruck bekommen, Masseurin oder Masseur haben ein Problem damit, so wird das dem Thema Selbstakzeptanz und damit der Basis und Essenz von wirklicher Heilung entgegenstehen. Ich vertrete den Standpunkt, dass Veränderung dort beginnt, wo ich mich voll und ganz auf das So-Sein einlassen kann. Der AnuKan-Therapeut mit eigenen erkennbaren Werten und gleichzeitig als leerer Spiegel (sprachen wir nicht vom Paradox?) wird im Klienten Experimentierfreude anregen, Lust auf das Erforschen der eigenen Persönlichkeit legen und somit u.U. hilfreicher sein als wenn die Massage Regeln und Vorgaben folgt.

Bedeutung der Ethik
Es liegt mir wirklich fern, die AnuKan-Massage über andere zu stellen. Sie ist aus der Praxis von über 90000 Sinnlichen Massagen geboren und baut auf Erfahrungswissen. Wir haben herausgefunden, dass der Bewusstseins-Rahmen des Gebenden und die Vielfalt an Methoden und Massagekompentenzen einen Unterschied machen. So können in der Praxis im Grunde viele Massagearten letztendlich eine AnuKan-Massage sein, auch tantrische und ganzheitliche Massagen. Die AnuKan-Massage ist flexibel und fließend und baut auf die Eigenverantwortung des Masseurs, der MasseurIn. Eine saubere, klare Ethik ersetzt die Struktur anderer Massagesysteme. Dies ist immens wichtig, vor allem eingedenk der Tatsache, dass eine AnuKan-Massage auch das große Thema Sexualität nicht ausschließt. Sie lässt uns Verbundenheit spüren und erdet; sie bringt Klarheit in die Beziehungen zu uns selbst und anderen. Die integrale Ausbildung kombiniert altes TempelpriesterInnen-Wissen mit modernen Erkenntnissen der Sexualwissenschaften. Damit schaffen wir ein Feld, in dem Eros und Liebe transformierend wirken – sowohl individuell als auch gesellschaftlich.