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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Feb/März 2019
   
Editorial der Printausgabe
 
   

  

Liebe Leser,
  
wie hat Ihnen die letzte Ausgabe für Dez/Jan gefallen? Hat das damalige Titelthema "Versöhnung Frau-Mann, männlich-weiblich" etwas in Ihnen und Ihrem Leben bewegt?
Ich habe sehr viel Feedback dazu bekommen und spürte an den Reaktionen, dass das Thema Frau-Mann immer wieder aktuell ist und fast jeden berührt. Die teils sehr unterschiedlichen Meinungen zeigten mir, wie viel Bedarf an Austausch vorhanden ist. Viele tragen Ungesagtes mit sich herum, alte Verletzungen, schwierige Erfahrungen und verlieren so manchmal das oft ebenso viele Schöne aus dem Blick.
  
Diese neue Ausgabe nun birgt noch mehr Potential – Potential für ein intensiveres Miteinander, für das Entdecken und innere Auflösen von alten Lasten aus persönlicher und auch kollektiver Erfahrung.
  

       

Gundula Zeitz
   
  

 
 

Sexualität …– schon das Wort geht mir nicht leicht und selbstverständlich über die Lippen. Mit wem habe ich darüber schon mal ausführlicher gesprochen? Konkret über mich und nicht allgemein "über die anderen" und meine Meinung zu deren Sexleben.
Selbst mit intimen Partnern habe ich darüber früher kaum ein ernsthaftes Gespräch geführt und schon gar nicht über meine Fragen, Probleme, Zweifel. Heute ist es anders, aber damals habe ich einfach mitgemacht und versucht, mich anzupassen. Wenn es gut lief, war ich einfach glücklich, und wenn nicht, dann zog ich mich zurück oder dachte, "es müsste so sein", dass man als Frau eben nicht immer zufrieden ist, denn das hört man ja immer wieder. Genau genommen habe ich dies gar nicht bewusst reflektiert, sondern Frust eher runtergeschluckt, der sich dann aber als Mäkeln und Streit über andere Themen in der Partnerschaft Ausdruck verschafft hat.
Aus heutiger Sicht wusste ich außer rein biologischen Fakten und Informationen über mögliche körperliche Stellungen einfach viel zu wenig: über Sexualität allgemein, über die Unterschiede von Frauen und Männern und wie man damit so umgehen kann, dass beide miteinander Erfüllung erleben. Über die Energien, die sich verbinden, über all das Unsichtbare, was Sexualität erst wirklich zum Genuss macht – und zwar auf Dauer und nicht nur mal ab und zu. Ich hatte zu wenig Selbstbewusstsein, dies zu thematisieren, war es nicht gewohnt, für die Erfüllung eigener Bedürfnisse auch mal deutlich einzutreten. Und es gab keine Beispiele, von denen ich hätte lernen können. Privat kannte ich höchstens kurze Kommentare, ob jemand gut im Bett war oder nicht, und selbst unter Mädchen und Frauen war dies oft mit verschämten Lachen verbunden.
Filme und andere Medien sind auch kaum hilfreich, sondern eher kontraproduktiv. Fast überall geht es um sexy Optik und schnellen, aktiven Sex. Den Wert von Präsenz, von im Körper präsent sein und von bewusster (innerer) Verbindung mit jemand anderem lernte ich erst durch meine vielfältige Meditationspraxis und in Selbsterfahrungsseminaren. Heilungsarbeit half mir, meine Gefühle freier fließen zu lassen. Und den Genuss von Entspannung erfuhr ich erst durch einen Mann, für den dies natürlich war, dem es egal war, ob er einen Orgasmus bekommt oder nicht, sondern der einfach das gemeinsame körperliche Spiel genoss und dabei keinerlei Ansprüche an mich stellte. Was für ein Unterschied!
Wie viel mehr Potential an Heilung alter Wunden von sexuellem Frust und Unbehagen könnten wir uns erschließen, wenn wir entspannter und freier werden, wenn wir uns selbst besser kennenlernen und uns mehr auf den anderen einlassen – auf vielen Ebenen. Und wenn wir vor allem mehr lernen. Dann trauen wir uns vielleicht auch zunehmend, offen über alles, was uns zu diesem Thema bewegt, zu sprechen, um so gemeinsam eine neue, heilsame und genussvolle Kultur von Sexualität zu erschaffen.
Ich freue mich, wenn Ihnen diese Ausgabe dazu einige Anregungen geben kann.

Mit herzlichen Grüßen

Gundula Zeitz

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