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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Dez 2018/Jan 2019
   
Editorial der Printausgabe
 
   

  

Liebe Leser,
  
vor etlichen Jahren nahm ich an einem Seminar nur für Frauen teil, wo es um die bewusste Entdeckung und Entwicklung der eigenen Weiblichkeit ging. Danach fiel mir ganz besonders meine innere Reaktion auf Männer in meinem Umfeld auf: waren diese gut verbunden mit der ihr jeweils eigenen männlichen Energie, entspannte sich etwas in mir und ich konnte mich viel mehr in meine weibliche Energie fallen lassen, welche sonst im Arbeitsalltag wenig Raum fand. Dies tat mir sehr gut und auch dem Miteinander mit dem Mann. Es war offensichtlich, dass in diesem harmonischen Miteinander weniger Konflikte auftauchten und in der intimen Beziehung verstärkte es die Anziehung ebenso wie die Tiefe der Verbindung. War der Mann nicht so gut verbunden und in Frieden mit seiner Männlichkeit, dann veränderte sich auch etwas in mir – auf natürliche Weise waren die Energien beidseitig bestrebt, einen Ausgleich untereinander herzustellen. Und da dies nicht mehr meinem ursprünglichen Wesen entsprach, kamen eher Unzufriedenheit und Konflikte im Miteinander auf.
  

       

Gundula Zeitz
   
  

 
 

Mit Männlichkeit und Weiblichkeit meine ich nicht die Erfüllung von speziellen Rollenbildern und Tätigkeiten. Meinen ersten Studienabschluss machte ich als Bauingenieurin und meinen zweiten als Sozialpädagogin. So kenne ich sehr gut die klassische Einteilung von Frauen- und Männerberufen und wie es ist, fast nur mit Männern zusammenzuarbeiten oder fast nur mit Frauen. Und im Rückblick würde ich sagen, ich habe mich jeweils angepasst, aber nie wirklich "meins" gelebt – weil ich es damals gar nicht kannte.
Nicht die Tätigkeit an sich ist entscheidend, sondern das Wie. Als Frau gehe ich vielfach anders an eine Sache heran als ein Mann. Wenn beides wertgeschätzt wird, habe ich in gemeinsamen Arbeitsteams und auch im privaten Rahmen erlebt, wie sehr das die Kreativität und Schöpferkraft fördert. Und es macht einfach viel mehr Spaß! Häufig habe ich jedoch auch die Kehrseite erlebt: da wird die andere Herangehensweise kritisch beäugt, mitunter arrogant belächelt oder sogar bekämpft und es ist alles sehr mühsam. Da passt man sich als Frau in einem männlich geprägten Umfeld schnell an – vor allem, wenn diese Prägung als die richtige angepriesen wird, wie heutzutage bei Business- und Karrieretipps sehr verbreitet. Manche feministischen Thesen, die meinen, dass es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt, fördern diese Anpassung und schaden den Frauen damit eher, als dass sie deren Position in der Gesellschaft stärken. Umgedreht können auch Männer aus ihrer inneren Balance fallen, wenn sie versuchen, sich an Frauen anzupassen, was bei Ihnen v.a. im familiären Rahmen passiert.

All das geschieht meist völlig unbewusst. Wir merken vielleicht Unzufriedenheit, Überforderung, Unsicherheit … – aber wissen nicht warum. Vielfach finden wir es sogar gut, v.a. wenn wir damit in gesellschaftliche geachtete Verhaltensmuster passen. Erst, wenn wir uns mit unserem Inneren beschäftigen, mal ganz bewusst erforschen, was unsere jeweilige Essenz ist, und v.a. wenn wir erleben, wie es ist, uns so richtig wohlzufühlen als Mann oder Frau – dann merken wir, wie viel Unfrieden wirklich zwischen den Geschlechtern herrscht. Noch viel mehr, als wir bereits thematisieren bzgl. Gleichberechtigung etc. Und wie viel Unfrieden in uns selbst ist: wie wir bestimmte männliche oder weibliche Kräfte nicht nur bei anderen Personen, sondern auch in uns selbst ablehnen (egal ob als Mann oder Frau, denn jeder trägt beides in sich) – aus unterschiedlichsten Gründen. Die Dynamik, die dadurch entsteht, dass wir dies in die Partnerschaft tragen bis hinein in die Gesellschaft können wir mit mehr Wissen und Verständnis um die Zusammenhänge schrittweise beenden und v.a. mit Versöhnung – in uns selbst und mit anderen, zwischen Frauen und Männern. Mögen Sie neben den Thementexten auch die vielen Veranstaltungen, Behandlungs- und Beratungsangebote in dieser Ausgabe dabei gut unterstützen!

  
Mit herzlichen Grüßen
Gundula Zeitz

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