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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Okt/Nov 2018
   
Editorial der Printausgabe
 
   

  

Liebe Leser,
  
Nichtwissen …
Öffnung …
für das Unbekannte …
Was macht es mit Ihnen, wenn Sie diese Worte lesen?
Angst vor oder freudige Neugier auf unbekanntes Neues; Unglauben, warum man nichts wissen sollte, wieso Dummsein hier hervorgehoben wird oder Genuss von Gedankenfreiheit? Ist ihr Körper ganz entspannt dabei oder zieht sich etwas in Ihnen zusammen? Oder eine Mischung daraus und von noch ganz anderem?

Für mich ist Nichtwissen kein Widerspruch dazu, mir Fähigkeiten und Kenntnisse anzueignen und sie zu nutzen. Ich lerne total gern immer wieder Neues, und liebe es Unbekanntes zu entdecken – im Innen und im Außen. Nichtwissen hat für mich nichts mit der Ablehnung von Wissensaneignung und -nutzung zu tun, sondern es ist eigentlich erst die Voraussetzung dafür – zumindest wenn ich mehr wissen und verstehen möchte, mehr als das übliche Schul- und sonstige Fachwissen.
  

       

Gundula Zeitz
   
  

 
 

Nichtwissen ist für mich ein innerer Zustand von Öffnung für eine viel, viel größere Dimension. Wenn ich mich bewusst fallen lasse in das große Unbekannte, wenn ich alles Vorwissen, alle Meinungen, Erfahrungen etc., die in Form von Gedanken in meinem Kopf rumschwirren oder sich in Gefühlen und Körpersymptomen ausdrücken, weglasse – so gut es mir gelingt – dann eröffnet sich eine ganz andere Wahrnehmung von mir selbst und der Welt. "Ich" löse mich auf und "Verstehen" gewinnt eine ganz andere Qualität und Tiefe. Es ist eine Dimension, wo Wissen keine Rolle spielt, sondern Verstehen einfach "ist".

Gleichzeitig steht mir damit, wenn ich diese gerade suche, ganz praktisch eine enorme Wissenserweiterung zur Verfügung, denn ich bin mit einem viel größeren Informationsfeld – oder wie auch immer man dies nennen mag – verbunden. Man kann es vergleichen mit einem einzelnen Computer, der je nach Größe mehr oder weniger Daten auf seiner Festplatte speichern kann und über mehr oder weniger entwickelte Software zur Verarbeitung dieser Daten verfügt – wenn dieser mit anderen Computern und dann auch noch mit dem Internet verbunden ist, vergrößern sich all sein "Wissen" und seine Fähigkeiten enorm. Unser Gehirn ist solch ein einzelner Computer und wir leben in einem unendlichen Informationsfeld, was wir kaum nutzen und oft sogar seine Existenz als esoterische Fantasie in Frage stellen. Und diese Begrenzung nennen wir stolz Wissen und Wissenschaft.
Dabei haben viele sich zumindest unbewusst schon mit den größeren Dimensionen verbunden: plötzliche Gedanken, Einsichten und Erkenntnisse, die man sich mit seinem bisherigen Wissensstand eigentlich nicht erklären kann, zeugen davon. Geniale Erfinder, Forscher, Künstler kennen den Zustand des Nichtwissens, aus dem heraus sie ihre Werke schöpfen. Und auch alles andere kann viel leichter gehen, wenn wir es schaffen, uns auf das Nichtwissen einzulassen, und dem Unbekannten Raum geben. Dann fließen Ideen etc. durch uns, statt von uns zu kommen.
So geht es mir auch beim Schreiben von Texten. Natürlich braucht es klassisches Wissen und gelernte Fertigkeiten und auch das Thema für diese Editorial-Texte ist festgelegt. Und trotzdem ist es immer wieder faszinierend, was am Ende auf dem Papier steht – ich kann dies nie exakt vorhersagen. Vor dem Schreiben mache ich mich frei von allen Gedanken, meditiere, trinke einen Tee, gehe spazieren oder was auch immer mir jeweils dabei hilft, und ich verbinde mich bewusst mit einem größeren Feld – im Vertrauen darauf, dass diese höhere Intelligenz viel besser weiß, welche Worte jetzt gerade passen, welche Informationen und Inspirationen von Ihnen als Leser gebraucht werden.
Ich hoffe, dies ist mir auch beim Zusammenstellen dieser Ausgabe gelungen und ich wünsche Ihnen eine interessante eigene Entdeckungsreise.

  
Mit herzlichen Grüßen
Gundula Zeitz

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