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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Oktober/November 2017
   
Editorial der Printausgabe
 
   

  

Liebe Leser,
  
  
"Über Geld spricht man nicht!" – wohl jeder kennt diese Redewendung und hat sie zumindest zu einem gewissen Teil verinnerlicht, ist sie doch schon fast ein Bestandteil der deutschen Kultur.
Und wie jedes Tabu so zieht auch dieses die Aufmerksamkeit besonders an. Es ist unnatürlich, wenn ein – sehr bedeutender – Teil des Lebens abgetrennt wird und damit nicht mehr (vollständig) mit den anderen Teilen verbunden ist und den natürlichen Lebenskreisläufen fehlt. Wie ging es denn Ihnen, als Sie den Titel dieser Ausgabe gelesen haben? War es "normales" Interesse, so wie sie auch andere Themen interessieren, oder war diesmal etwas ein klein wenig anders?
So zurückhaltend, wie wir über Geld sprechen bzw. ganz schweigen, wenn es um das eigene geht, so engagiert können wir über Geld reden, wenn es um das der anderen oder um allgemeinere Ebenen geht. Da können die Diskussionen durchaus heftig werden – ein Zeichen dafür, dass noch viele Emotionen in uns vergraben liegen, die Ausdruck suchen und wahrgenommen werden wollen.
  

       

Gundula Zeitz
  

 
 

Ist das Geld daran schuld? Hat es all diese Eigenschaften, die ihm zugeschrieben werden und verdirbt unseren Charakter, sorgt für Missgunst untereinander? Oder ist es der Segen, der uns glücklich machen kann? Natürlich nicht, würde ich mit gebildetem Verstand darauf sofort antworten. Geld an sich ist neutral und eignet sich nur hervorragend als fokussierte Projektionsfläche für unsere Befindlichkeiten und Ansichten.
Wenn ich aber meine Gefühle, meine Denk- und Verhaltensmuster genauer beobachte, muss ich zugeben, dass ich sehr viele Zuschreibungen ziemlich unbewusst verinnerlicht habe und ganz und gar nicht frei und neutral mit dem Thema Geld umgehen kann.
Wie sehr ist es doch verbunden mit den Themen Wert – Selbstwert, Wertschätzung, Bewertung … – und auch Würde – eigene Würde, Würdigung anderer, … – die schnell sehr empfindlich berührt werden, sobald irgendein Geldproblem den Anlass dafür bietet.

Auch wenn mir da schon einiges bewusst war, so habe ich bei der Arbeit an dieser Ausgabe sehr vieles dazugelernt. In Gesprächen mit Autoren und beim Lesen von Büchern und Texten sind mir Hintergründe meines persönlichen Verhaltens und dem unserer Gesellschaft klar geworden und ich habe sogar ganz neue Sichtweisen entwickelt, was den Umgang mit Geld betrifft. Vieles ist einfach so normal, dass wir uns gar nicht vorstellen können, dass es auch anders funktionieren kann, besser und gerechter sowohl im persönlichen Alltag als auch im großen Finanz- und Wirtschaftssystem. Das Gefühl, dass etwas nicht stimmig ist, ungerecht oder behindernd, ist zwar da, die ganzen Zusammenhänge wirken jedoch so unergründlich und v.a. unveränderbar, dass man doch lieber beim Bekannten bleibt und sich damit zu arrangieren versucht.
Aber es gibt Lösungen, sowohl für persönliche Probleme als auch für die kollektiven, die immer offensichtlicher werden. Ich selbst habe z.B. gleich eine Geldaufstellung und Coaching gebucht und will unbedingt noch mehr aus den interessanten Büchern von meinem Schreibtisch lesen. Es stimmt mich hoffnungsvoll, von neuen gesellschaftlichen Initiativen z.B. für Gemeinwohlökonomie zu hören. So sehe ich die Möglichkeit für echte Zukunftsalternativen, die Geld, Wert und Würde im Innen wie im Außen vereinen zu Geld-Wert-Würde. Dafür lohnt es sich, sich der Klärung dessen zu stellen, das dem noch im Wege steht, oder?
   

Mit herzlichen Grüßen


Gundula Zeitz

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