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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   August/September 2017
   
Editorial der Printausgabe
 
   

  

Liebe Leser,
  
  
meine persönliche Entdeckungsreise zum Titelthema dieser Ausgabe startete im Jahr 2000, als ich meinen spirituellen Namen bekam. "Furchtlose Liebe" las ich als Übersetzung dafür. Keine Angst? Dies schien mir damals eine durchaus passende Beschreibung. Nicht, dass ich keine Angst kannte, aber ich wagte doch vieles, wovor sich andere eher fürchteten, ohne dabei leichtsinnig zu sein.

Ein solcher Name ist aber selten so einfach. Und so begleitete er mich in den folgenden Jahren beim schrittweisen Aufdecken der vielen Ängste, die in mir verborgen waren (und teils noch sind). Verborgen zum einen, weil ein Großteil der auftauchenden Ängste für mich neu war. Situationen, mit denen ich früher leicht umgehen konnte, machten mir jetzt Angst, bis hin zu Panik. Ich hatte Phasen, in denen ich mit Angst im Körper aufwachte – ohne Gedanken, ohne eine Geschichte dazu. Oder Zeiten, in denen sich Alpträume häuften.

       

Gundula Zeitz
  

 
 

 
Wie kann so etwas passieren, ohne dass das aktuelle Leben dafür Anlass gibt?
Das Auftauchen der Ängste ging bei mir einher mit der schrittweisen Erinnerung an traumatische Erlebnisse meiner Kindheit, die ich aus meinem Bewusstsein vollkommen verdrängt hatte. Mit den Erinnerungen waren auch die damit verbundenen Gefühle verschwunden – scheinbar, denn in irgendeiner "Ecke" warten sie immer darauf, endlich wahrgenommen, gefühlt zu werden, um sich dann – diesmal wirklich – auflösen zu können. Früher hatte ich nur gedacht, dass es diese Gefühle (auch Wut u.a.) bei mir halt nicht (in dieser Intensität) gibt, dass ich sehr ausgeglichen bin …
Heute muss ich innerlich schmunzeln oder finde es auch traurig, wenn ich bei anderen Menschen Gefühle wahrnehme und diese mir antworten, dass dies überhaupt nicht stimmt. Und das ist wirklich schade, denn es behindert den echten Kontakt und Austausch. Die Worte drücken etwas anderes aus, als die Gefühle übermitteln.

Dass Ängste ohne einen realen Bezug zur aktuellen Situation auftauchen, kann vielfältige Ursache haben. Ich habe es z.B. bei kleinen Kindern erlebt, dass diese in Alpträumen offenbar Situationen aus vergangenen Leben verarbeitet haben. Auch das intensive Lesen/Anschauen von Nachrichten oder Filmen kann mit der in den vergangen Jahren immer stärker gewordenen Dramatik, die bewusst eingesetzt wird, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, Ängste auslösen, die mit dem eigenen Leben nicht wirklich etwas zu tun haben. Oder Berichte über Krankheiten, potentielle Gefahren bei allen möglichen alltäglichen Handlungen usw. Es braucht Bewusstsein, um sich dieser Gefühlsbeeinflussung zu entziehen.

Eine andere Ursache, weshalb ich früher Ängste teilweise nicht gespürt habe, lag im Unwissen über die Facetten der Gefühle. So ist mir z.B. erst im Rahmen der Vorbereitung dieser Ausgabe bewusst geworden, dass ein Nervenzusammenbruch, den ich vor vielen Jahren hatte, nicht Folge einer Arbeitsüberlastung war, sondern die extreme Form von lähmender Angst. Angst kann sich hinter so vielem verstecken und wir suchen dann (vergeblich) nach Lösungen für bessere Alltagsorganisation, mehr Konzentration o.a., ohne die Angst als Ursache zu erkennen. Noch unerkannter bleibt sie hinter dem Gefühl von Keine-Lust-Haben oder Interessiert-mich-Nicht, Kann-ich-Nicht und allen möglichen Gedanken, nur um nicht die Angst vor einer Situation oder Person zu spüren. Auch der Versuch, die Kontrolle zu behalten, passt dazu. Ich schreibe aus Erfahrung …

Vielleicht haben Sie sich selbst oder Bekannte von Ihnen in dieser Beschreibung schon wiederentdeckt und/oder sind neugierig geworden, sich auch auf eine intensivere Entdeckungsreise zum Thema zu begeben. Dabei wird Ihnen diese Ausgabe gute Hinweise geben können. Und auch Kontakte für professionelle Begleitung, die bei traumatisch bedingten Ängsten besonders empfehlenswert ist.

Sich für die eigenen Ängste und die seiner Mitmenschen zu öffnen, bringt uns mehr Menschlichkeit und birgt das Potential für echte Nähe im Miteinander sowie auch für Kraft und Freude, wenn wir etwas geschafft haben, trotz der Angst und vielleicht sogar manchmal dank der Angst.

Mit herzlichen Grüßen


Gundula Zeitz

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