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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Juni/Juli 2017
   
Editorial der Printausgabe
 
   

  

Liebe Leser,
  
  
wie geht es Ihnen gerade?

Wenn wir diese Frage gestellt bekommen, dann denken wir meist nach und die Antwort basiert vorwiegend auf der gedanklichen Analyse unserer Lebenssituation. Aber haben Sie bei so einer Frage schon mal unmittelbar gefühlt, wie es Ihnen geht? Jetzt, in diesem Moment, nicht als gedankliche Erinnerung an körperliche Probleme oder auch Wohlgefühl.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich bei so einer Frage wirklich gefühlt habe, wie es mir geht. Es sei denn, es wurde im Kontext ganz klar nach dem Körpergefühl gefragt.

       

Gundula Zeitz
  

 
 

Dabei gäbe das direkte Wahrnehmen doch eine sehr genaue Antwort, viel aktueller als das Kramen in der Erinnerung, auch wenn wir diese für aktuell halten.
Das direkte Wahrnehmen wäre außerdem sehr umfassend. Wenn ich in meinen Körper hineinspüre, nehme ich nicht nur meinen physischen Körper wahr. Auch meine Gefühle werden mir deutlicher bewusst, mein Energiefeld … – und durchaus auch die Gedanken. Diese dann aber unmittelbar und nicht im Sinne von "nachdenken". Wenn ich in meinen Körper spüre, dann erkenne ich die Zusammenhänge zwischen meiner körperlichen Verfassung, meinem Gefühlszustand und meinen Gedanken meist klar. Bin ich z.B. sehr verspannt, weil ich zu lange am Schreibtisch saß, und gehe dann mal spazieren, merke ich deutlich, wie sich auch meine Gedanken und die ganze Stimmung verändern. An anderen Tagen wiederum fühlen sich meine vorher schmerzenden Muskelpartien plötzlich viel entspannter an, obwohl ich immer noch am Computer sitze – weil sich durch ein Gespräch o.a. innerer Stress aufgelöst hat, der wiederum auf die Muskeln Einfluss hatte. Alles hängt miteinander zusammen. Hier können wir es nicht nur intellektuell erkennen, sondern unmittelbar fühlen.

Je mehr ich mich und meinen Körper und mich in meinem Körper wahrnehme und in verschiedenen Situationen beobachte, desto interessantere Zusammenhänge entdecke ich. Und desto mehr nehme ich überhaupt wahr.
Wenn wir sagen, dass wir unseren Körper spüren, meinen wir damit doch meist eher die "groben" Sinneseindrücke: die Knochen, wenn der Sitz zu hart ist, die Haut, die berührt wird, die Füße, die in engen Schuhen schmerzen, der Darm, wenn sich Essen durch ihn schiebt. Aber das ist nur ein Bruchteil dessen, was an Wahrnehmung möglich ist.
Man kann diese trainieren und immer sensibler für sich und seinen Körper und alles, was damit zusammenhängt werden. Ich glaube, da gibt es keine Grenze an Feinheit und auch keine Begrenzung dessen, was es zu entdecken gibt. So wie unser Leben durch ständige Bewegung und Veränderung bestimmt wird, so wird es auch unserer Körper.

Ich wünsche Ihnen beim Lesen dieser Ausgabe interessante Aha-Momente und Anregungen, Ihrem Körper mehr oder andere Aufmerksamkeit als bisher zu schenken. Sie werden auch viele gute Angebote ganz unterschiedlicher Art finden, die ein Ausprobieren lohnen, um die eigene Körperwahrnehmung zu fördern.

Mit herzlichen Grüßen


Gundula Zeitz

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