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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Okt/Nov 2016
   
Editorial der Printausgabe
 
   

  

Liebe Leser,
  
diese Ausgabe mit dem Titelthema „Trauma – Herausforderung des Lebens“ geht jeden etwas an. Auch wenn Sie jetzt vielleicht denken, dass Sie selbst doch gar kein Trauma haben und auch niemanden kennen, der Probleme damit hat.
Trauma (griech. „Wunde“) mit seinen Auswirkungen ist ein persönliches Thema, kann jedoch ebenso auf der übergeordneten Ebene eines Kollektivs wirken – Familie, Menschengruppen bis hin zu einer ganzen Nation. Und als Deutsche sind wir zumindest auf dieser Ebene alle mit Traumata konfrontiert, auch wenn uns die Folgen der kollektiven Geschichte im Alltag oft nicht bewusst sind.
Die April/Mai-Ausgabe dieses Jahres hat sich mit letzterem beschäftigt, in dieser Ausgabe geht es um die persönliche Ebene, was man jedoch oft nicht voneinander trennen kann. Von kollektiven Traumata ist jeder einzelne auf individuelle Weise betroffen. Und die Beschäftigung mit der persönlichen Ebene kann wiederum helfen, die kollektive Dimension besser zu verstehen und Wunden, die uns alle betreffen, zu heilen. Je mehr Menschen sich damit beschäftigen, desto eher können persönliche und kollektive Symptome erkannt werden und der vielfältige Kreislauf der Weitergabe von Traumata beendet werden.

       

Gundula Zeitz
  

 
 

  
Allzu leicht passiert es – auf meist unbewusste und unbeabsichtigte Weise – dass wir aus eigenen unverarbeiteten Verletzungen heraus andere Menschen verletzen. Opfer werden zu Tätern und wieder zu Opfern … Jeder kennt sicherlich solche Situationen aus seinem Privatleben ebenso wie aus der Politik oder dem Verhalten von einer Nation gegenüber anderen. Je nach Schwere des Falles entstehen so immer wieder neue Traumata.
Ich bin mit traumatisierten Menschen aufgewachsen und hatte auch später viele in meinem nahen Umfeld. Traumata sind nach meiner Beobachtung bei Menschen, die sich von Selbsterforschung und Spiritualität angezogen fühlen, überproportional vertreten. Lange Zeit wusste ich nichts über Traumamechanismen und habe meine eigene Traumatisierung nicht erkannt. Heute, mit mehr Wissen und erweiterter Wahrnehmungsfähigkeit, bemerke ich bei vielen Menschen innere Verletzungen, die sie vor anderen und teilweise auch vor sich selbst verstecken. Auf diese Weise bleibt das (verinnerlichte) Leiden jedoch erhalten – die Zeit heilt hierbei kaum.
Mit mehr Wissen um Traumata, die biologischen Zusammenhänge und die Auswirkungen auf körperlicher, emotionaler, mentaler, sozialer und seelischer Ebene können wir nicht nur den Kreislauf von Trauma-Weitergabe unterbrechen, sondern auch die Wunden heilen. In uns selbst und auch bei anderen, denn ein sicheres, liebevolles Umfeld von Menschen, die dauerhaften Halt bieten, ist die beste Medizin – gerade bei Traumata.

Wenn Sie wissen oder beim Lesen spüren, dass Sie das Thema ganz persönlich betrifft, suchen Sie sich Hilfe – bleiben Sie nicht allein damit. Die Ausgabe kann Ihnen nur einen kleinen Einblick in dieses breitgefächerte Thema geben, aber Sie finden auch Literatur- und Linktipps, wo Sie sich ausführlich informieren können, um sich selbst und andere besser kennen- und verstehen zu lernen.
  

Mit herzlichen Grüßen
Gundula Zeitz

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