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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Juni/Juli2015
   
Editorial der Printausgabe
 
   

  

Liebe Leser,

als ich vor kurzem gefastet habe, bemerkte ich immer wieder Situationen, in denen ich den Drang hatte, etwas zu essen – nicht wegen richtigem Hunger, sondern weil gerade die Arbeit nicht gut lief oder ich mich nicht wohlfühlte. Automatische Reaktionen, die mir durch das Vorhaben, nichts zu essen, erst so richtig bewusst wurden. Ich merkte, wie ich mich sonst durch Essen von unangenehmen Gefühlen ablenkte. Jetzt war ich ihnen „ausgeliefert“. In den ersten Momenten war das Aushalten nicht einfach. Durch das bewusste Wahrnehmen dessen, was gerade in mir rumorte, unterstützt durch eine kleine Pause, um in mich hineinzuspüren, sind mir jedoch die Ursachen bewusst geworden und nach kürzerer oder längerer Zeit lösten sich auch die unangenehmen Gefühle wieder auf. Manchmal potenzierte sich das Gefühl und ich suchte zur Unterstützung das Gespräch mit Freunden oder merkte, dass ich ein Seminar oder eine Einzelsitzung brauche, um mich größeren Problemen zu stellen.
  

       

Abheeti Gundula Zeitz
  

 
 

Und ich kenne noch einige andere Mittel, mit denen ich mich ablenke, wenn’s innerlich schwierig wird. Keine klassischen Drogen, manchmal kann’s schon einfach wahlloses Lesen sein, nur um mich gedanklich in andere Welten zu begeben. Selbst ständiges Reden und sogar „seeliges“ Meditieren können dazu dienen, nicht das zu erkennen und zu tun, was wir wirklich wollen, weil es zu schwierig erscheint und/oder schmerzhafte Erinnerungen hervorruft. Alles Dinge und Verhaltensweisen, die als solche völlig ok sind. Das Entscheidende dabei ist das Warum. Mache ich gerade etwas, um vor mir selbst oder einer äußeren Situation zu flüchten, oder gehört es zum alltäglichen Fluss des Lebens?
Das ist manchmal gar nicht so einfach zu unterscheiden, gerade wenn etwas schon zur inneren Routine geworden ist oder wenn andere um uns herum genauso handeln. Auch die gesellschaftliche Anerkennung spielt eine Rolle. Ältere Leute klagen teilweise über Internetsucht, flüchten sich selbst aber vielleicht in Bücher- oder Fernsehwelten. Oder Alkohol: es gilt als selbstverständlich, dass er zu einer gelungenen Feier dazugehört, genauso wie ein Joint bei Jugendpartys. Und diejenigen werden komisch angesehen, die nicht mittrinken und kiffen. Ist das wirklich immer Spaß, der aus innerer Lebensfreude kommt oder ein Ersatz dafür, damit wir ab und zu mal vergessen können, dass uns die Leidenschaft fürs Leben im Alltag abhandengekommen ist?
  
Von Sucht sprechen wir meist nur in Zusammenhang mit körperlicher Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Mit „davon bin ich nicht betroffen“, ist das Thema schnell wieder weg. Sucht ist jedoch nicht nur ein körperliches Phänomen und hat sehr viele Facetten und Stufen. Ich war selbst überrascht, wie vielfältig es sich in meinem Leben zeigt. Und so lade ich auch Sie ein, näher hinzuschauen und sich dafür von den folgenden Beiträgen inspirieren zu lassen. Unter den Angeboten finden Sie Unterstützung, um sich von kleinen oder großen Abhängigkeiten zu lösen. Und um herauszufinden, was Sie eigentlich suchen. Entdecken Sie auch einfach mal Unbekanntes, um Ihr Leben dadurch zu bereichern. Mit bewusster Suche hat Sucht keine Chance mehr.

  
Mit herzlichen Grüßen
Gundula Zeitz

 

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