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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: >16.500 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Feb/März 2015
   
Editorial der Printausgabe
 
   

  

Liebe Leser,

wenn von „ ehrlich sein“ die Rede ist, denken wohl die meisten sofort an „nicht lügen“, „nicht betrügen“ und – wenn wir ganz ehrlich sind – ist damit oft ein leichtes Unbehagen verbunden. Denn wer hat nicht das Gefühl in dieser Hinsicht schon mal versagt zu haben. Dieses Ehrlichsein entspringt einem festen Moralkodex, der uns in den vielfältigen Situationen des Alltags auch nicht immer wirklich passend erscheint. Manchmal „lügen“ wir z.B. aus einer guten Absicht heraus. Oder unwissentlich aus Unkenntnis. Diese „Moral“ fühlt sich so doch mitunter als unerfüllbar an und es gibt immer einen (imaginären) jemand, der uns prüft.

Beim „ehrlich sein mit mir selbst“ gibt es jedoch keinen anderen – es geht nur um uns. Und trotzdem sehen wir uns oft imaginär mit den Augen anderer und bewerten uns selbst mit dem Blick von Moral und Gesetzen oder auf dem Hintergrund von Wünschen und Vorstellungen, wie etwas – ich? – sein sollte. Manchmal ist es auch der ganz menschliche Wunsch, uns wohlfühlen zu wollen, der den ehrlichen Blick z.B. auf Schmerzliches verschleiert.  

       

Abheeti Gundula Zeitz
  

 
 

  
Das alles macht es schwer, ehrlich mit uns selbst zu sein, ehrlich wahrzunehmen, wer wir wirklich (gerade) sind, wie es uns geht usw. Gleichzeitig wird dadurch auch unser Blick auf die Umgebung verzerrt, denn wie kann ich aus eigener Unkenntnis heraus etwas anderes richtig erkennen?

Was, wenn wir mal alles Wissen, wie etwas „richtig“ ist, weglassen, alle Urteile, jegliche Moral? Und ganz einfach nur in uns schauen und spüren? Zur Unterstützung können wir uns ja sagen: „Jetzt, für diesen kurzen Moment bin ich mal in einer anderen Welt, ohne Gesetze und Urteile – und dort ist auch alles gestattet, was sonst falsch ist.“ Später, je mehr wir uns an unser ehrliches Sein „gewöhnt“ haben, breitet sich die Akzeptanz immer mehr aus: ja, so bin ich, und auch scheinbar Falsches gehört zu mir. Überhaupt wird sich manches „Falsche“ bei unvoreingenommener Betrachtung als eigentliche Stärke, als individuelle Besonderheit erweisen. Oder wir entdecken, dass wir viele „gute“ Seiten von uns gar nicht kannten, weil wir uns immer nur für das gehalten haben, was andere als kleinen Ausschnitt unseres ganzen Wesens kannten bzw. uns einfach falsch eingeschätzt hatten.
Mit diesem immer offeneren Blick für uns selbst und der Erkenntnis, dass wir nicht perfekt sind, wird sich automatisch unser Blick auf unser Umfeld weiten und wir können immer besser akzeptieren, dass auch andere nicht immer perfekt sind. Das wiederum lässt uns eher unsere Macken und Fehler akzeptieren – wir sind damit nicht allein – und so weiter. Aus dieser Ehrlichkeit kann Mitgefühl und echtes Verständnis wachsen – für uns selbst und andere. Und „echte Moral“ wird sich zeigen. Denn je mehr wir ehrlich wahrnehmen, wie es uns, den anderen, unserem Umfeld im Großen und kleinen geht, der Natur, der Gesellschaft, … – desto weniger brauchen wir erlernte Gesetze für unser Handeln. Wir spüren dann immer besser und ohne Nachzudenken, welche Handlung, welches Wort, welche Berührung in diesem Moment passend ist. Wir können immer leichter mit dem Leben und als das Leben fließen. Welche Erleichterung und Schönheit doch „ehrlich sein mit mir selbst“ bringen kann!

In dieser Ausgabe werden Sie viele neue Anregungen und Unterstützungsangebote dafür finden.

  
Herzlichst
Gundula Abheeti Zeitz

 

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